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​Johanneskirche

Der älteste Bauteil der Johanneskirche, der östliche Teil der heutigen Sakristei, dürfte auf die Zeit um 940 zurückgehen. Es war eine kleine, Johannes dem Täufer geweihte Kapelle aus Stein, an die vermutlich ein kleines Kirchenschiff aus Holz angebaut war. Bis 1250 dürfte sie für gottesdienstliche Belange gedient haben.
 
Etwa um 1170 wurde an dieser Kapelle ein Wehrturm, der untere Teil des heutigen Kirchturms, errichtet. Dieser Turm diente rein weltlichen, militärischen Zwecken.

Wie andere Staufische Wehrtürme hatte auch dieser Turm zuerst nur einen hochgelegten Zugang in ca. 6,5 m Höhe. Man konnte ihn durch eine hölzerne Außentreppe oder Leiter erreichen. Noch heute gelangt man durch ihn vom Kirchenboden aus in die oberen Teile des Turms. Dieser Wehrturm hatte die Funktion, den Verteidigern des ummauerten kleinen Friedhofes als letzte Zuflucht zu dienen. Im Falle einer Erstürmung der Friedhofmauer konnten sie die Treppe hinter sich abbrechen und auf Entsatz warten. Doch schon bald war die militärische Notwendigkeit eines solchen Turmes nicht mehr nötig, und er wurde zur Sakralisierung freigegeben.

Um 1250 dürfte das hölzerne Kirchenschiff abgebrochen worden sein und nördlich davon das erste steinerne Kirchenschiff an den jetzt geweihten Turm angebaut worden sein. Das ehemals finstere Turmverlies wurde jetzt aufgehellt und als Chor eingerichtet. In die Westwand wurde ein Triumphbogen gebrochen. In die Ost- und Südwand wurden kleine Fenster eingebrochen.

Wenige Jahre nach Fertigstellung dieses Kirchbaus wurde das sakrale Grundstück noch einmal in militärische Erwägungen seiner Besitzer, der Grafen von Veringen, einbezogen. Sie waren damals Verbündete des Grafen von Württemberg gegen den anrückenden Kaiser Rudolf von Habsburg. Sie ließen den kleinen Friedhof nach Westen hin stark ausweiten und mit einer Wehrmauer umgeben. Jedoch nahm der Habsburger bei seinem Einmarsch einen anderen Weg. So blieb die Wehrmauer ungestürmt. So hat sich uns das Zeugnis eines mittelalterlichen Wehrbaus erhalten. 1988 wurde die Mauer renoviert und bildet zusammen mit Pfarrhaus und Kirche eines der idyllischsten Plätze in Unterhausen.

Die Grafen von Veringen mussten 1331 das ganze Kirchenanwesen nebst Pfarrgut verkaufen. Es ging an den Reutlinger Priester Spechtshart, 1360 an die Reutlinger Sondersiechenpflege und verblieb dort bis 1803.

Um 1430 wurden die Fresken im Chor gemalt. Sie fielen später der großen Renovierung 1585 zum Opfer. Erst 1946/47 wurden sie neu entdeckt und freigelegt. Sie bestehen aus drei Reihen zu je 11 Bildern.

In den zwei oberen Reihen wird das Leben und Sterben des Kirchenpatrons, Johannes des Täufers, dargestellt, die dritte, untere Reihe erzählt das Leiden, Sterben und Auferstehen von Jesus Christus.

1585 wurde das Kirchenschiff bis auf die Südwand gänzlich abgebrochen und deutlich vergrößert und um eine Empore erweitert wieder aufgebaut. Seither führen drei Türen in das Kirchenschiff: Zwei von der Giebelseite im Westen her und eine in der Ostwand. Aus dieser Zeit stammen auch die vier Holz-Säulen, die die weitragende Decke abstützen und der Empore Halt geben.

Der Turm wurde um 5 Meter erhöht. Die so gewonnenen Glockenstube wurde mit vier spitzbogigen Schallöffnungen versehen. Die Sakristei wurde gegen Westen hin verlängert und erhielt dort eine neue Außentüre und einen Ausguss für das Taufwasser. Von der Sakristei aus wurde ein direkter Zugang zur Kanzel geschaffen.

Ebenfalls 1585 wurde der Chor aufgehellt und völlig neu gestaltet. In die Nordseite wurde ein gotisches Fenster eingebrochen, das Südfenster wurde ausgeweitet, der Triumphbogen erhöht. Die Restflächen wurden übertüncht und nach damaligem Geschmack neu bemalt. 1661 erhielten die Fenster im Schiff ihre heutige Form, 1811 wurde der zuvor noch recht gedrungen wirkende Kirchturm zu der heutigen Größe erhöht (Spitze 36 Meter).

(Der Text ist eine gekürzte Fassung von Hans Felder,
Die Unterhausener Johanneskirche und ihre Fresken)