Kontakt

Echazstraße 2
72805 Lichtenstein-Honau
Tel.: 07129 694357
E-Mail: wilhelm-hauff-museum@web.de

Öffnungszeiten

Geöffnet ab 02. April 2022
bis 13. November 2022:
Samstags, Sonntags und Feiertags von 14.00-17.00 Uhr, oder nach Vereinbarung.

Eintritt

  • Erwachsene: 2,00€
  • Rentner, Studenten, Schwerbehinderte und Gruppen ab 10 Pers.: 1,50€
  • Kinder ab 7 und Jugendliche: 1,00€

Termine

Aktuell keine bevorstehenden Termine

Weitere Infos

Zu Wilhelm Hauff: www.deutscheweinakademie.de

Kulturplattform des Landkreises www.kultur-machen.de

Zu Veranstaltungen und
Ausstellungen: www.kulturbox.de

Hier finden Sie weitere tolle Museen in der Umgebung und in der Welt, insgesamt 60000.
www.vimuseo.de

Die Lichtensteinfestspiele im 1. Freilichttheater Württembergs in Honau (1901-1903)

1899 hatte Rudolf Lorenz, Direktor des Theaters in Halle, die Idee, den Roman Lichtenstein an den originalen Schauplätzen aufzuführen. 1900 reiste er nach Honau und traf dort Johann Ziegler. In Zusammenarbeit wurde das Vorhaben, zum 100. Geburtstag von Hauff ein Laienspiel aufzuführen, konkretisiert.

Die Suche nach Sponsoren begann und schon ein Jahr später wurde ein Komitee gegründet. Den Vorsitz hatte der Fabrikant Laiblin aus Pfullingen. Da niemand ein Grundstück für die Umsetzung der Idee verkaufen wollte, kaufte Lorenz kurzerhand ein Grundstück an der Olgahöhle.

Innerhalb weniger Tage wurde das Festspielhaus in gigantischem Ausmaß und mittelalterlichem Stil errichtet. Insgesamt umfasste es eine Fläche von1.500 m² und bot Platz für 1.500 Plätze, 200 Logen und 300 Stehplätze. Die Bühne hatte eine Gesamtfläche von 200 m². Das Festspielhaus wurde elektrisch beleuchtet, sogar ein Motor für den Bühnenvorhang wurde installiert. Vor der Bühne gab es einen Orchestergraben. Dessen ungeachtet bereitete das Dach einige Schwierigkeiten, denn es sollte das Schloss Lichtenstein nicht verdecken und zugleich stabil sein. Ingenieur Laißle aus Reutlingen war erfinderisch und konstruierte das Dach daher mit Drahtseilen und einem Segeltuch, praktisch eine Vorwegnahme der Bauweise des Olympiadaches in München von 1972.

Am Pfingstmontag im Jahr 1901 fand die Premiere mit 150 Laienschauspielern aus Kleinengstingen bis Reutlingen statt. Die Schauspieler waren zwischen 16 und 71 Jahren alt. Herzog Wilhelm Karl von Urach kam mit seiner Gemahlin zur Premiere. Im Juni kam sogar das Königspaar aus Stuttgart.

Pro Saison gab es 8-12 Aufführungen. Der erste Teil des Romans wurde 1901 und 1902 aufgeführt. Der zweite Teil dann im Jahr 1903.

Für die Besucher wurden es Sonderzüge mit Fahrten zum halben Preis angeboten. Die Schwarzwälder Kreiszeitung schrieb am 03. Juni 1901: „Der gestrige Spieltag veranlasste eine wahre Völkerwanderung nach dem lieblichen Echaztale. Schon die Frühzüge brachten große Scharen von Besuchern aus allen Gegenden unseres Landes, darunter mehrere Vereine.“

Anfangs dauerte das Stück 4 Stunden, darin enthalten waren lange Umbauzeiten. Es musste nach und nach auf 3 Stunden, später sogar auf 2,5 Stunden gekürzt werden. Um Mitternacht wurden die Besucher*innen mit Sonderzügen wieder nach Hause gebracht.

Insgesamt besuchten ca. 40.000 Gäste Honau während der Sommer. Zu der damaligen Zeit hatte Honau ca. 540 Einwohner*innen.

Nach dem ersten Jahr verabschiedete sich Rudolf Lorenz. Vermutlich hatte er neue Ideen oder es lag an seinem gelegentlichen sächsischen Dialekt, welcher die Zuschauer*innen belustigte.
Im zweiten Jahr kämpfte man mit dem Wetter und es war schwierig, nochmal genug Darsteller*innen zu gewinnen.

Schließlich wurde der Beschluss gefasst, das Projekt im Jahre 1930 wieder zu beenden, was dazu führe, dass nur noch der zweite Teil des Romans geprobt wurde. Im August 1903 kam das Königspaar noch einmal zur Abschlussvorstellung und ernannte Laiblin zum Ehrenbürger von Honau.

Die Festspielhalle wurde zum Abbruch verkauft, die letzten 14.000 Mark zahlte Ernst Laiblin aus seiner Privatschatulle.

Leider wurde das gigantische Ereignis schnell vergessen.

Wer den Roman lesen möchte, findet ihn kostenlos hier.
Eine kostenlose Hörfassung des Romans finden Sie hier.
Mehr Infos zu Hauff und den Festspielen erhalten Sie hier.